Mittwoch, 31. Juli 2013

#62

WO SIND DENN NUR ALL DIE BUNTEN FARBEN?

Ich hab sie lang nicht mehr gesehen

Ein einziger junger Mann tritt auf die kleine Bühne. Ich bin etwas erstaunt, dies ist kein gewöhnliches Konzert. Ein Sitzkonzert, denn einige Menschen sitzen vor mir auf dem Boden, doch ich will nicht auf dem Boden sitzen, ich will diesem Mann in die Augen schauen können. Er war alleine. Alleine mit seiner Gitarre, einem Laptop und einem Barhocker. Und dann beginnt er zu spielen...er spielt nicht außergewöhnlich gut Gitarre. Er singt auch nicht außergewöhnlich gut. Es ist im Grunde nichts Besonderes, nein. Und trotzdem ergreift es mich, wie ich schon lange nicht mehr ergriffen wurde. Also was mache ich? Ich lasse mich fallen - in Gedanken. Und werde aufgefangen und geküsst von einem Gefühl, das ich früher gefühlt habe. LIEBE - LEBEN - HOFFNUNG. 
Ich öffne meine Augen wieder. Ein Lächeln in meinem Gesicht. Ein Lachen in meinen Augen. Liebe in meinen Herzen. Ich will wieder glücklich sein und das ist meine Entscheidung.
Ich war wieder viel zu lange, viel zu traurig. Ich will das Leben wieder sehen mit seinen Wundern. Ich will es nüchtern betrachten, den Schmerz wahrnehmen, doch ich will mir von diesem Schmerz nicht mehr mein Glück stehlen lassen - auch wenn das heißt, dass Konzerte meine Therapie sein werden. 
Und verdammt nochmal, jeder ist hier eingeladen mit mir diesen Weg zurück ins Leben zu suchen und zu finden. 
Und verdammt nochmal, ich hole mir das was ich haben will, auch wenn ich weiß, dass ich es nicht haben kann. 
Und verdammt nochmal, ich werde wieder lernen zu kämpfen, selbst wenn es heißt, dass ich immer wieder harte Rückschläge ertragen muss. 
Und verdammt nochmal, ich werde wieder lieben können, auch wenn es noch lange dauernd wird, bis der Schmerz verschwindet. 
Und verdammt nochmal, wenn das Leben mir kein Glück gönnt, dann gönne ich mir es selber!
Und verdammt nochmal, ich lebe noch!

"Am Ende wird alles gut - und wenn es noch nicht gut ist, ist es auch noch nicht zu Ende."


Montag, 29. Juli 2013

#61

WIR GLAUBEN NOCH AN WUNDER

aber nicht mehr an uns selbst

 


 

In der E-Mail steht sein Name, seine Telefonnummer und seine Adresse. Ich hab ihm geschrieben, nach Informationen gebeten und er hat mir in wenigen Stunden geantwortet, mich zu einem kostenlosen Erstgespräch eingeladen. Ich müsse nur anrufen und er würde sich mit mir einen Termin ausmachen. Die Nummer hab ich auf einen kleinen grünen Zettel geschrieben, den ich nervös zwischen meinen Fingern spielen lasse, während ich immer und immer wieder seine Homepage durchforste. "Soll ich? Soll ich nicht? Soll ich wirklich?"
Ich hätte doch gar keinen Grund dazu, dass es mir schlecht geht. Vor etwas mehr als einem Jahr war ich mir noch ganz sicher, dass ich das Leben nur noch schön sehen will - geht das nicht nochmal? Kann ich das nicht alleine in dem Griff bekommen? Es gibt so viele Menschen, die wirklich Probleme haben - wieso sollte ich mir dann herausnehmen dürfen, professionelle Hilfe aufzusuchen? Je mehr ich darüber nachdenke, desto lächerlicher erscheint mir der Gedanke, jemanden dafür zu bezahlen sich meine Problemchen anzuhören und aus den Weg zu räumen, die ich selber genausogut aus den Weg räumen könnte. Ich bin einfach nur zu faul, zu träge, zu müde es selbst zu machen. Geschieht mir ganz recht, wenn es mir dann schlecht geht. Andererseits...vielleicht hat er die Anleitung für mich, wie ich das Leben wieder lebenswert machen kann. Ich weiß es nicht. 
Soll ich? Soll ich nicht? Soll ich wirklich? Ich möchte mich am liebsten selber auslachen, für meine Unfähigkeit. Völlig absurd. Ich lege den Zettel zur Seite - doch aus den Augenwinkeln beobachte ich ihn noch, wie er mich anstarrt. 
Greeney hat gesagt ich soll zum Arzt gehen - er wollte dass ich es ihm verspreche. Ich kann das nicht. Aber die Stimmen in meinem Kopf werden nicht leiser. C l i v e wird nicht leiser. Und die Klingen werden nicht stumpfer. Wie sehr ich sie hasse. Wie sehr ich mich dafür hasse. 


Sonntag, 28. Juli 2013

#60

DER HÄRTESTE KAMPF, DEN DU ZU GEWINNEN HAST

ist der Kampf gegen dich selbst

 

 

Weinend sitzt sie neben mir im Auto und schaltet einen Gang runter. Der Motor des weißen OPEL  heult auf. 
"Ich dachte du wärst anders als die anderen", sie schluchzt "aber du bist genauso mies und falsch wie all die anderen!"
Und damit hat sie recht. Ich hab sie gestern Nacht einfach stehen lassen, nachdem sie mich mit jemanden mehr oder minder verkuppelt hat. Ich kam mir abgeschoben vor, hab sie falsch verstanden und schlussendlich enttäuscht. Ich bin ein mieses kleines Arschloch. Ich kann mich sooft entschuldigen wie ich möchte, der Schmerz, den sie verspürt, wird deswegen auch nicht leichter zu ertragen. Ich habe sie enttäuscht. Wie schon so oft. Ich enttäusche meine Mitmenschen, vielleicht bin ich deswegen alleine. Ein für allemal wird mir klar, dass meine Umwelt und ich eindeutig besser dran sind, wenn ich nichts mehr mit ihnen mache. Wenn ich mich zurückziehe in mein Zimmer, nur noch alleine fort gehe. Alleine fühle ich mich wohl in meiner Haut, ich muss auf niemanden Acht geben. Ich kann das tun, wonach ich Lust habe und muss nicht Rücksicht auf anderer Bedürfnisse nehmen. Und genau diese Worte lassen mich wieder erkennen, was für ein egoistisches Miststück ich bin - aber ich kann nicht aus meiner Haut. Je mehr ich mich um Menschen, die ich liebe bemühe, desto mehr Schmerzen füge ich ihnen hinzu. Darum wird es besser sein ich unterlasse das in Zukunft. Ich komme besser alleine zurecht. 

Mein Leben kotzt mich an - und es kann nur besser werden, wenn ich etwas dagegen unternehme. Es kann unmöglich von heute auf morgen gehen, aber ich werde wieder Schritt für Schritt zurückfinden ins Leben, auch wenn ich dann alleine bin. Was soll's...
Tief im Inneren liebe ich dieses Leben, das weiß ich ganz genau. Tief in mir liebe ich mich so wie ich nun mal bin, auch wenn ich hin und wieder eine Hure bin. Tief in meiner Seele wünsche ich mir nur geliebt zu werden, auch wenn es wieder so weh tun wird. Ich bereue vieles was ich gemacht, getan und gesagt habe - aber ich kann nichts ungeschehen machen, so sehr ich es mir wünschen würde. Also was habe ich für eine Wahl? Genau - im Grunde keine. Außer mich zu entschließen zu leben und aufzuhören mich selber so zu bemitleiden. Der Weg wird hart. Ich hasse zu sehr, als dass es leicht sein könnte. Aber ich liebe zu sehr, um diesen Weg einfach aufgeben zu wollen. 




Donnerstag, 25. Juli 2013

#59

IT'S WHAT YOU FEEL, BUT CAN'T ARTICULATE OUT LOAD

Oh you go to sleep on your own and you wake each day with your thoughts

 




Irgendwie bin ich ja glücklich...

Der Ruhmreiche hat mir heute geschrieben, ich hab ihn schon mal erwähnt - R. 
Er hat mir eine SMS geschrieben.

"Guten Morgen schöne Frau."

Wortlos und erstaunt starrte ich die SMS an bevor meine Finger ganz von alleine eine Antwort tippten. 
"Guten Morgen. Wo? Meinst du mich??"
"Nein, den Papst - natürlich dich, was glaubst du denn? ;)"

 - wenn du nur die versteckten Stellen meines Körpers sehen könntest - 

Wenig später kam eine SMS von einer Freundin: 
"Hey Nanouk, was machst du heute? Hast du Lust später mit mir zum See zu fahren?"
Sie wollte tatsächlich...tatsächlich mit MIR...mit mir etwas unternehmen? 
Ich freute mich, auch wenn ich leider keine Zeit hatte. 

So schön diese Aufmerksamkeit war, ich traue ihr gleichzeitig nicht und bin deshalb traurig.
Wo ist die alte Nanouk hin? Jene Nanouk, die alle Menschen geliebt hatte und jedem Vertrauen entgegenbrachte, weil sie vom guten Kern des Menschen überzeugt war?
Ja - wo ist sie hin? 


 

Dienstag, 23. Juli 2013

#58

DIE ANGST ZU ENTTÄUSCHEN UND ZU VERSAGEN

treibt dich in ihr Regiment

 




 Die rote Brücke ist wie ein Schrei in der Landschaft, der zuerst grell und laut scheint, dann aber kläglich in seiner Umgebung versumpft. Die Brücke, sie gehört hier her, doch sie passt hier nicht rein. Heute früh stand ein Mädchen mit ihrem Hund auf dieser schmalen Brücke und blickte ins Wasser. Man konnte den Grund des Flusses nicht erkennen, denn das Wasser war beinahe schon schwarz. Es war schwarz, dreckig und eklig, und doch trug es in sich diese Schönheit. Der Fluss lief so sanft vor sich hin, trug Blätter mit sich weiter in seine Richtung. Das Mädchen sah einer Feder hinterher, die sie zuvor am Weg gefunden hatte und ins Wasser fallen ließ. Es war eine weiße, weiche Entenfeder. Sie ließ sie einafch aus ihrer Hand fallen und starrte ihr hinterher. Minutenlang. Selbst als die Feder schon längst nicht mehr zu sehen war, sah sie ihr hinterher. C l i v e stand wieder neben ihr, doch er sagte nichts. Aber er wollte sie auch nicht mit ihren Gedanken alleine lassen. Seine Hand suchte den Weg nach ihrer Hand. Jedoch als sie seine Fingerspitzen auf ihrem Handrücken spürte, zog sie ihre Hand blitzschnell weg und steckte sie in ihre Jackentasche. Den Blick gen den Boden gesenkt ging sie jetzt eiligst an ihm vorbei, der Hund sprang freudig neben ihr her. Freute sich darüber, dass sie endlich weitergingen. 
C l i v e ging ihr hinterher. Er hatte heute nichts zu sagen, denn das Mädchen redete heute mich sich selbst. Wurde geplagt von Selbstzweifel und Selbsthass. Heute braucht C l i v e da nicht nachhelfen. Heute machte sie sich alleine fertig. 


"Und in welchem Schulfach warst du besonders?"
"Falsche Frage um mich kennen zu lernen - in keinem."

"Ja, wir sind eben sehr begehrt."
"Na, wenn ihr heute so begehrt seit, dann kann ich jetzt eh endlich schlafen und brauch dir nicht mehr schreiben."
"Eigentlich schon, ja." [...] "Fräulein?"

"Ich habe meinen Trip jetzt fest geplant."
"Als ob du das alleine schaffen kannst."

"Und mit welchen Fahrrad fährst du?"
"Na, mit meinem."
"Das ist nicht dein Ernst oder?"

"Ich weiß, fragen ist zwecklos, hast du trotzdem Lust mit mir was zu unternehmen?"
"Ich habe keine Zeit."
"Ok."

"Ich denke, jene Menschen die kaum Freunde haben, sind am meisten davon betroffen."
"Mhm...da hast du wahrscheinlich recht."

"Hey wie geht es dir? Darf ich mal vorbeikommen, hätte gerne wieder mal eine Reitstunde bei dir"

"...Gesehen um 13:44 - keine Antwort"

"Leute, am Freitag wäre jenes und dieses Event - wenn ihr Lust habt könnt ihr zuerst bei mir vorbeikommen und dann gehen wir da gemeinsam hin?"
Gesehen von 7 Leute - keine Antwort. 


NICHT ZU FRAGEN KANN DIE ANTWORT SEIN...
ich hab es satt.